Selbst organisiertes Lernen

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Kein Konzept für die Gestaltung eines zeitgemässen Unterrichts kommt um die Begriffe „Handlungsorientierung“ und „Handlungskompetenz“ herum. Jeder Lehrplan, jede Prüfung muss darauf ausgerichtet sein, dass die Lernenden ihr erworbenes Wissen zielgerichtet, verantwortungsbewusst, entsprechend der gestellten Aufgaben und der Situation angemessen dazu verwenden, um Probleme so zu lösen, wie es die Realitäten der Arbeitswelt momentan fordern. Genau das, nämlich Fachwissen in Handlungskompetenz umsetzen, will das Konzept „Selbstorganisiertes Lernen“ (SOL) der Juventus Schulen.

Um die geforderte Handlungskompetenz zu entwickeln, können im Unterricht nicht bloss fachliche Kompetenzen vermittelt werden. Vermehrt muss auch der sozialen, methodischen und personalen Dimension Beachtung geschenkt werden. Dies kann nicht in einzelnen Projekten, Vertiefungswochen oder ähnlichem abschliessend erledigt werden, sondern muss in jede Unterrichtsplanung einfliessen. Selbstorganisiertes Lernen (SOL) als methodisch-didaktischer Rahmen für den Unterricht ist ein wichtiger Bestandteil, um die angesprochenen Kompetenzen gerade auch im überfachlichen Bereich zu entwickeln und zu fördern. Selbstorganisation bedeutet indes nicht Selbstüberlassung. Ganz im Gegenteil. Das Fachwissen, die fundierte Anleitung und unterstützende Begleitung der Lehrpersonen bleibt nach wie vor eine zentrale Voraussetzung für einen guten Unterricht. Aber Lehrende und Lernende müssen sich schrittweise einer neuen Lernkultur annähern. Eigenverantwortlich nach Lösungen zu suchen, eigenständige Strategien dafür zu entwickeln und somit das gesetzte Ziel, eben Handlungskompetenz, zu erreichen braucht mehr als bloss lehrerzentriert transportiertes Wissen und will gelernt sein. Von Lehrenden und von Lernenden.

Unser Pfad ist vorgespurt

Unser Konzept SOL sieht deshalb ein stufenweises integrieren einzelner Lernformen in allen Lehrplänen der Schule vor. Gepaart mit schulinterner Lehrerfortbildung (SCHILF) unter Leitung ausgewiesener Fachpersonen, flankiert von diversen Tools und Hilfestellungen seitens der Schulleitungen, wollen wir unverwechselbare und unmissverständliche Standards schaffen, welche einheitlich vertreten und vor allem auch gegenüber unseren Stakeholders stets transparent kommuniziert werden. Standards, die nicht bloss Lernende betreffen, sondern die auch professionelle Anforderungen an das Leitungs- und Lehrpersonal stellen. Sowohl im Leistungs-, als auch im personalen Bereich. Wir sind auch bereits unterwegs. Zu den bereits bestehenden Grundlagen im Unterrichtsbereich wurden in jüngerer Zeit diverse Instrumente geschaffen, welche der Zielsteuerung und damit der nachhaltigen Verbesserung der Unterrichtsqualität dienen. Die flächendeckenden Unterrichtsevaluationen „edumendo“, das für alle Seiten einsichtige Notentool, die allseits zugänglichen Semesterplanungen, die Einbindung elektronischer Medien im Unterricht, der Zugang zu diversem Übungs- und Unterrichtsmaterial auf der Lernplattform sowie ein ambitioniertes Projekt zur Entwicklung neuer Lehrmittel und einer professionellen Testumgebung, um nur einige dieser Neuerungen zu nennen. Zudem wurden in den letzten zwei Jahren Schwerpunkte der Lehrerfortbildung so gesetzt, dass Einblicke in diverse neue Unterrichtsmethoden und Unterrichtshilfsmittel (kooperatives Lernen, Learning Apps) gewonnen wurden. Ein „Methodenkoffer“ für eine praxisnahe Umsetzung im Unterricht steht zur Verfügung. Aber auch für die Lernenden müssen Grundlagen zur Entwicklung einer neuen Lernkultur gelegt werden. So wurde die Diskussion zentraler Thesen unseres Pädagogischen Leitbilds über die Klassenlehrpersonen direkt in die einzelnen Klassen getragen. Also mitten in den Unterricht gestellt. Diese Bestrebungen werden erweitert und fortgesetzt. Sie stellen lediglich eine Momentaufnahme der auf verschiedenen Ebenen laufenden Aktivitäten dar. Anstrengungen, welche alle in den Gesamtrahmen schulischer Qualitätsentwicklung gestellt sind. Mit dem Ziel nachhaltiger Steigerung der Unterrichtsqualität.

Nähe zur Arbeitswelt und zum Kunden

„Unsere verbindlichen Ausbildungsvorgaben und –ziele orientieren sich an den Anforderungen der Arbeitswelt, an den Bildungsverordnungen sowie an den Bedürfnissen unserer Kunden“. So ein zentraler Satz im pädagogischen Leitbild der Schule. Der stetige Wandel der im zitierten Satz genannten Orientierungspunkte – die Arbeitswelt, die Verordnungen und die Kundenbedürfnisse – dürfte unbestritten sein. Als Bildungsinstitution, welche sich als Werkstatt und Spiegel unserer Gesellschaft versteht, wollen und werden wir diesen Wandel in unserem Kerngeschäft nicht bloss nachvollziehen, sondern aktiv mitgestalten. Unser SOL-Konzept ist daher ein Teil des vorhin erwähnten Gesamtkonzepts zur Schulentwicklung. Bis zur Etablierung von SOL-Konzepten in allen Ausbildungsbereichen sind zwei Jahre vorgesehen. Zunächst geht es darum, festzulegen, was wir meinen und erwarten, wenn von SOL die Rede sein wird. Nach der ersten von insgesamt vier SCHILF-Veranstaltungen zu SOL muss dieser Gestaltungsrahmen für alle klar ersichtlich sein. Danach werden unter Einbezug von Schulleitungen und den Fachschaften die Standards definiert, welche bei der Unterrichtsplanung, beim Unterrichten sowie bei den Evaluationen und Zielkorrekturen zu beachten sind. Die spezifisch auf die Inhalte und Bedürfnisse der verschiedenen Ausbildungsgänge abgestimmt. Die Elemente des SOL sind danach in allen Lehr- und Stoffplänen verankert und in den jeweiligen Semesterplanungen ersichtlich. Das Erreichen einer neuen Lernkultur, welche unsere Lernenden – wie im Leitbild beschrieben – näher an die Anforderungen der Arbeitswelt führt, wird allerdings ein Prozess sein, der permanent fortgeschrieben werden muss.

Was meinen wir mit SOL?

Der Begriff „Selbstorganisiertes Lernen“ mag etwas diffus und verwirrend sein und, weil eben auch widersprüchliches unter diesem Begriff subsummiert wird, oft Ängste auslösen. Unbegründete Ängste. Denn es geht weniger darum, das Lernen durch Schüler selbst zu organisieren, als vielmehr um eine veränderte, offenere Form der Unterrichtssteuerung, welche die Lernenden gezielt aktiv in die Unterrichtsgestaltung einbezieht. Dies kann nicht einfach durch geschickt formulierte Einzel- oder Gruppenaufträge abgehakt werden, sondern muss mit den Lernenden schrittweise erarbeitet werden. Ein Wechsel von lehrer- und schülerzentrierten Phasen ist dabei unumgänglich. Nach eher lehrerzentrierter Einstiegsphase mit klaren Zielsetzungen, Vermittlung nötiger Grundlagen und anfänglich kleineren Aufgaben- und Problemstellungen für Einzelne und/oder Gruppen wechselt die Lehrperson nach und nach in die Rolle des Begleiters oder Mentors, während die Lernenden vermehrt zu Wort kommen, ihre Argumente einbringen können und entsprechend ernst genommen werden. Lernfreude und Lernmotivation steigen infolge aktivem Mitgestalten. Eine etwas offenere Form des Unterrichts, mit äusserst spannenden und bereichernden Herausforderungen für Lernende und Lehrende. Eine neue Lernkultur, die aber auch für beide Seiten ein sich Einlassen auf unbekanntes beinhaltet. Seitens der Lernenden ein aktives mitkonstruieren des Unterrichts und seitens der Lehrpersonen die Gewöhnung an eine Lernkultur, welche Fehler zulässt und diese sogar als Chance begreift. Eine neue Rahmenkonzeption für den Unterricht bis hin zum Überdenken herkömmlicher Leistungsbeurteilung leitet sich zwingend daraus ab. Etwas, das nur mit Geduld und schrittweise zu etablieren ist. Um sich in die neue Lernkultur zu finden brauchen Lehrpersonen weit mehr als nur gerade etwas SOL-Theorie und einige methodische Anleitungen, um sich in die neue Lernkultur zu finden. Aber auch die meisten Lernenden sind an traditionelle Unterrichtsformen gewöhnt und tun sich anfänglich schwer mit den neuen Freiräumen. Das sich Einlassen auf Probleme schafft zudem ein gerüttelt Mass an Ungewissheiten und trägt in sich die Gefahr Fehler zu begehen. Etwas, was sowohl Lehrende und Lernende im schulischen Umfeld bisher strikt vermeiden wollen. Dass nicht wenige Schüler zumindest anfangs einen klar lehrerzentrierten Unterricht eher schätzen, weil sie sich da sicherer fühlen, kann daher kaum überraschen. Mit Blick auf die sich ändernden Anforderungen an unsere Absolventen plädieren wir jedoch klar für eine neue Lernkultur und für mehr Selbstverantwortung aller am Unterricht beteiligten.

SOL –eine veränderte Lernkultur

Als Lehrpersonen sind wir geradezu darauf hin konditioniert, Fehler rechtzeitig zu erkennen, helfend und korrigierend einzugreifen, um unseren Schülern den richtigen und Erfolg versprechenden Weg zu zeigen. SOL zwingt uns zu einem teilweisen Abschied von diesen gewohnten Reflexen. Das grundlegende Wissen muss zwar nach wie vor lehrerzentriert vermittelt werden, bevor die Lernenden über längere Phasen hinweg selbstständig arbeiten können. Das braucht Geduld und eine gewisse Fehlertoleranz. Doch bereits bei der Wissensvermittlung beginnt die Krux. Wer glaubt, dass Wissen nur gerade in der richtigen, für die Lernenden passenden Struktur angeboten werden kann, der befindet sich bereits im Irrtum. So einfach läuft der Wissenstransfer leider nicht. Wissen kann nicht einfach von der Lehrperson zum Schüler transportiert und dort passiv absorbiert werden. Letztlich kann Wissen nur individuell konstruiert werden und zwar durch den Verarbeitungsprozess des einzelnen Schülers. Aber eben individuell und nicht generell. Das bedeutet, dass wir das Lernen zwingend an einen wechselnden sozialen Kontext einbinden müssen. Wie im letzten Abschnitt dargelegt, sind Phasen der Instruktion mit handlungsorientierten und schülerzentrierten Formen zu kombinieren und dies nicht bloss mit dem Ziel abwechslungsreicher Unterrichtssequenzen. Auch nicht, um einfach eine Art Spassfaktor in den Unterricht einzubauen. Denn auch im SOL sind die Lernziele nicht einfach frei wählbar, sondern von den Lehrplänen vorgegeben und neue Lernsituationen bleiben nur für eine beschränkte Zeit lang neu. Um Kompetenz zu entwickeln braucht es also sowohl individuelle als auch kooperative Elemente. Generell mit dem Ziel, die Schüler vermehrt in den Mittelpunkt des Unterrichts zu stellen, ihre Selbstständigkeit und Selbstverantwortung zu stärken und fächerübergreifende personale Kompetenzen, wie etwa Kommunikationsfähigkeit oder Teamfähigkeit, zu steigern. Ein ambitioniertes Projekt, welches unsere Schul- und Qualitätsentwicklung vorantreiben wird.