Capus und die sieben Urse

Alex Capus erzählte von den Geschehnissen in einer namenlosen und frei erfundenen Kleinstadt mit überdimensionalem Bahnhof, einer herzigen Altstadt, einem Fluss, der quer durch den Ort fliesst, und mit ziemlich genau 17‘380 Einwohnern. Einen von ihnen ist der Protagonist des Buches, der aus seinem Fenster die Nachbarn beobachtet. Der Zufall will, dass fünf Urse in seiner näheren Umgebung leben. Eigentlich sechs, aber der sechste möchte nicht, dass man über ihn schreibt. Auf einem Bänkli am Kiesplatz trifft sich der Protagonist regelmässig mit «seinen Ursen» und unterhält sich über chinesische Tätowierungen, Eichhörnli oder Velodemokratie. So entstehen die berührenden Episoden in Alex Capus’ neustem Werk «Mein Nachbar Urs».

Ein siebter Urs hiess die Gäste bei Juventus in Zürich willkommen: Urs Bühler unterrichtete selbst bei Juventus, bevor er zur Neuen Zürcher Zeitung wechselte. Der Journalist eröffnete die vielversprechende Event-Reihe an einem milden Frühlingsabend in einem hellen und geräumigen Klassenzimmer an der Lagerstrasse und stellte Capus als «fabelhaften Fabulierer» vor.

Tatsächlich bezauberte Alex Capus das Publikum mit seinen ironischen Geschichten, die er mit einer tiefen und ruhigen Stimme frei und wie selbst erlebt vortrug. Nach einem begeisterten Applaus diskutierte Urs Bühler mit dem Schriftsteller über die Gegenüberstellung von Dichtung und Wahrheit. Ob in Capus‘ Steinwurfnähe – auch wenn man weit werfen kann – tatsächlich sechs Urse leben, ist eher zu bezweifeln. Ob dies überhaupt relevant ist? Das ist ein anderes Paar Schuhe. In jedem Fall leben in der Schweiz 20‘000 Urse. Somit wohnen auch in deiner Umgebung mindestens sechs, wenngleich sie Max, Köbi oder Erika heissen.

Alex Capus‘ Zauber wirkte auch nach der Lesung. Nachdem Stephan Ogg zum Apéro eingeladen hatte, schwebten die Gäste zwischen dem grosszügigem Buffet und dem Buchstand, wo der Autor persönlich signierte und sich mit dem Publikum unterhielt.

Die Begeisterung über den Abend war gross, sowohl von Seiten der Geschäftsleitung – vertreten durch Direktor Matthias Rüegg, die Rektoren Ralph Schlaepfer und Irene Lendenmann sowie Organisator Stephan Ogg – als auch seitens der Teilnehmer. Für sie sei es eine Art von Herkunftsrückkehr, meinte Frau Guhl von der Buchhaltung am Hottingerplatz, die als Jugendliche selbst die Juventus Schule besuchte.
Herr Blattner fand die Lesung besonders spannend, weil er Alex Capus vorher nicht kannte. «Mein Nachbar Urs» komme gleich auf seinen Nachttisch.
Dass Juventus solche Anlässe organisiere, sage viel über die Werte der Schule, meinte schliesslich Frau Altmann. Dass Didaktik auch ausserhalb des klassischen Unterrichts funktioniere, zeige die Lesung – aber auch die interessante Diskussion im Anschluss über Geschichtsschreibung im Zusammenhang mit Erzählung und Kausalität.

Die Chance, eine signierte Kopie von «Mein Nachbar Urs» zu gewinnen, hast Du auch, wenn Du nicht Urs heisst: Sende uns eine E-Mail an redaktion@juvenews.ch. Die schnellste Antwort auf die Frage, wie der Treffpunkt von Capus und seinen Ursen heisst, verhilft Dir zu einem persönlich signierten Exemplar des Erzählbands.

Hast Du den schönen Abend mit Alex Capus verpasst? Dann unbedingt den nächsten Event der Reihe «Zu Gast bei der Juventus» in deiner Agenda notieren: Die Autorenlesung mit Lukas Hartmann findet am Freitag, den 24. Oktober um 19 Uhr statt, ebenfalls in der Juventus Woodtli (Lagerstrasse 1, Zürich). Der bekannte Schriftsteller aus Spiegel bei Bern wird aus seinem neusten Buch «Abschied von Sansibar» lesen. Anschliessend wird es die Möglichkeit geben, den Autor an einem offerierten Apéro persönlich kennen zu lernen. Moderiert wird auch dieser Anlass durch Urs Bühler, Redaktor NZZ. Der Eintritt ist frei.