«Mit den Lernenden in persönlichem Austausch stehen»

 

Herr Kaiser, können Sie uns die wichtigsten Etappen Ihres Werdegangs erläutern?
Aufgewachsen bin ich in Süddeutschland, nach dem Abschluss der Wirtschaftsmatur habe ich in Tübingen studiert. Danach zog es mich in die Schweiz. Dazu hatte ich seit frühster Kindheit immer einen positiven Bezug: Meine Eltern waren sehr begeistert von diesem Land, sie haben die direkte Demokratie, die Neutralität, die Schweizer Lebensart sowie das Sich-Fernhalten von Kriegen sehr bewundert.

Sie sehen beim Unterrichten von Deutsch, Geschichte und Staatskunde sicher viele Lernende. Können Sie sich überhaupt alle Namen merken?
Die Namen kann man sich merken, wenn man mit den Lernenden in einem persönlichen Austausch steht. Ohne diesen Austausch wäre Unterrichten ein technischer Vorgang, der wenig erfolgversprechend ist und meinen pädagogischen Erfahrungen widerspricht.

Oft geben sich Eltern und Lehrpersonen gegenseitig die Schuld, wenn es um Erziehung geht. Was ist Ihre Meinung?
Es gibt natürlich Schnittstellen – wichtig ist, dass Eltern und Lehrer zusammenarbeiten.

Was ist heute die Rolle von Lehrpersonen und wie entwickelt sich diese?
Ich finde die Bestrebungen bedauerlich, den Klassenunterricht immer mehr aufzulösen und die Lernenden dem selbstorganisierten Lernen zu überlassen.

Wie meinen Sie dies genau?
Der Lehrer tritt  in den Hintergrund, der Schüler ist sich selbst überlassen. Zum Beispiel soll er auf dem Smartphone oder iPad die Dinge nachschauen. Dort bekommt er Informationen, die ihm niemand erklärt, das ist problematisch. Man kann sicher darüber nachdenken, ob man das iPad im Unterricht einsetzen kann, aber es darf nur ergänzend sein.

Welche Rolle spielen heute Fächer wie Deutsch und Geschichte, die oftmals als veraltet gelten?
«Die Sprache ist die Mutter des Gedankens.» Basierend auf dieser Erkenntnis ist es unerlässlich, die Muttersprache zu beherrschen. Man kann keine andere Sprache lernen, wenn man die eigene Sprache nicht beherrscht.
Wer seine eigene Kultur und Geschichte nicht kennt, versteht auch andere Kulturen und deren Menschen nicht. Und andere Kulturen zu verstehen, ist in einer globalisierten Welt wichtiger denn je. Hier leistet das Fach Geschichte einen zentralen Beitrag.

Herzlichen Dank für das Interview, Herr Kaiser!