Juventus SCHILF SJ 2024/2025 – Nr. 2

Im zweiten SCHILF, des aktuellen Schuljahres ging es am 15. März um KI und vor allem um Menschen: Wir gingen der Frage nach, welche Rolle der Mensch auch neben KI spielt:

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Foto: Louis Rafael Rosenthal

Nach der Begrüssung der Teilnehmenden durch Fabienne Gross, Rektorin Juventus Schule für Medizin, und Julia Kündig, Schulleiterin MPA, übernimmt Referent Silvan Hinterberger, KI-Verantwortlicher SJS. Silvan gibt die Ziele bekannt: «Nach der heutigen Weiterbildung seid Ihr in der Lage, Stärken und Schwächen von KI aufzuzeigen, Unterrichtsinhalte in Copilot zu erstellen und Prompts zu teilen.»

Die Resultate zweier Arbeitsaufgaben zeigen bereits an, wo die Stärken und Schwächen von KI liegen. KI ist ein Schreibwerkzeug, aber (noch) kein verlässliches Wissenswerkzeug! KI kann eine sinnvolle Unterstützung für den Unterricht sein, sofern sie verantwortungsbewusst angewendet wird…

Stärken 

  • Sprachverarbeitung und -generierung 
  • Allgemeinwissen
  • Kontextverständnis 
  • Textübersetzung und Zusammenfassungen

Schwächen 

  • Aktualität 
  • Faktenfehler 
  • Kontextverlust bei langen Prompts 
  • Fehlendes «echtes» Verständnis
     

Microsoft Copilot

Silvan Hinterberger teilt mit, dass sich die Juventus Schulen entschieden haben, Microsoft Copilot als primäres Tool für schulische und administrative Tätigkeiten einzusetzen. Copilot biete durch seine Integration in unsere Microsoft-Umgebung einen zukunftsweisenderen Funktionsumfang als ChatGPT.

«Alle Mitarbeitenden und Studierenden haben seit Februar Zugriff auf ihre Copilot-Lizenz, welche mit dem Juventus-Login nutzbar ist», berichtet Hinterberger.

Anschliessend üben die Teilnehmenden anhand von diversen Aufgaben einzeln und in Gruppen und erstellen verschiedene Prompts im Copilot. Spätestens jetzt weiss jeder im Raum, warum die Uhren in der Werbung stets auf 10 nach 10 stehen.
 

Copilot kann beim Lernen, Wiederholen von Inhalten und Verständnisproblemen behilflich sein. Das Tool hat die Fähigkeit, zielgerichtete Fragen zu stellen.

Am Ende seines Vortrags fasst Hinterberger die wichtigsten Punkte zusammen:

  • Die Leistungsfähigkeit von KI-Tools hängt stark von den verfügbaren Trainingsdaten ab. 
  • Die Stiftung vertritt die Haltung: «KI soll verantwortungsbewusst eingesetzt werden» mit den Werten «Nachvollziehbarkeit und Sicherheit». 
  • Die geschützte Copilot-Lizenz wird genutzt und sinnvolle Prompts werden geteilt. 
  • Reglemente für Abschlussarbeiten wurden mit KI-Richtlinien ergänzt. 
  • OpenOlat wird mit zusätzlichen Ressourcen angereichert.
  • Merkblatt zur KI-Nutzung wird erstellt. 
  • Im Rahmen eines Pilotprojekts werden KI-Use-Cases in der Stiftung evaluiert.
     

Impulsreferat von Stefan Rüsch, MSc Angewandte Psychologie ZFH

Im anschliessenden Impulsreferat von Stefan Rüsch, MSc Angewandte Psychologie ZFH, ging es um den Faktor Mensch in der Arbeitsbeziehung.

Der Referent teilt die Arbeitsbeziehungen in drei Teile auf: 

  • Bond – die (Ver-)Bindung
  • Goal – die (Aus-)Richtung
  • Task – die (Auf-)Gaben

Rüsch bittet um einen kurzen Blick in den Spiegel: “Wie sehe ich mich und meine Rolle im Klassenzimmer und wie werde ich wahrgenommen?” 

Bond

Freundliche Wahrnehmung ist für die menschliche Bindung grundlegend: Nimmt man die andere Person wahr, fühlt man sich vom Gegenüber wahrgenommen? 

Stefan Rüsch vertieft: “Bindung ist die Verbindung, der Kontakt zwischen Menschen auch in der Zusammenarbeit und wirkt vor allem auf unser Stresssystem, welches wiederum starken Einfluss auf unsere Aufmerksamkeit bzw. Präsenz hat." Mit Vertrauen nähme man Anvertraute auch auf schwierigen Wegen mit.

Goal

Das Ziel steht als Orientierung und oft als eigentlicher Grund für eine Arbeitsbeziehung am Anfang und am Ende dieser Zusammenarbeit meist stark im Zentrum der Aufmerksamkeit. Man beginnt eine Ausbildung, um diese zu bestehen und ein Diplom zu erhalten.

Rüsch geht auf die psychologische Ebene der Motivation ein. Er fragt: “Warum oder wozu macht man etwas?" "Und wie hält man durch?” Wenn man zu einer grösseren Reise oder Aufgabe ja gesagt hat, so Rüsch, kämen unweigerlich Phasen, in denen man diese Entscheidung in Frage stelle. Dann würden kleine Schritte helfen, erreichbare Ziele und die Verbindung zum grösseren Ziel. Und dafür wäre es von Vorteil, wenn man eine gute und vertrauensvolle Verbindung zum Gegenüber hätte.

Task

In der Motivationslehre gibt es eine Art Formel dafür, ob und wie man eine Tätigkeit angeht, die einem angeboten wird: Erwartung mal Wert. Rüsch konkretisiert diese These: «Wenn Zweifel aufkommen, ob man es kann, oder wenn man ausgelacht wird, sinkt die Lust auf die Tätigkeit.» Wenn man aber jemanden habe, dem man vertraue und der einem den langfristigen Nutzen zeige, liesse man sich eher darauf ein.
 

Was kann KI auch, besser oder (noch) nicht?

Der Referent fragt in die Runde: «Wozu braucht es MI(ch) im Klassenzimmer?»

Und präzisiert: «Aus psychologischer Sicht ist das die entscheidende Frage, weil sie einem Bedeutung und Wirksamkeit gibt.»

Rüsch bittet die Teilnehmenden am Schluss, sich zu überlegen, ob ihnen ein Bild oder Symbol einfällt. Man soll es suchen und physisch ins Klassenzimmer mitbringen: «Damit es einen immer wieder daran erinnert, warum es gerade sie dort braucht.»

Nach einer kurzen Pause eröffnet Stefan Rüsch eine Podiumsdiskussion mit auswärtigen und ehemaligen Lernenden. Er möchte wissen, wie sie den Einfluss von KI auf ihren Unterricht wahrnehmen, welche zwischenmenschlichen Aspekte ihnen wichtig sind und was sie von den Lehrpersonen in Zeiten von KI erwarten. Nach einem scheuen Beginn entwickelt sich eine anregende und informative Gesprächsrunde, die von den Teilnehmenden aufmerksam und mit grossem Interesse verfolgt wird. Die interaktive Fragerunde setzt den Schlusspunkt unter eine sehr gelungene schulinterne Fortbildung. 

Fabienne Gross und Julia Kündig bedanken sich bei den Referenten und Teilnehmenden für die interessante und lebendige Fortbildung 
 

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